Das Schulsystem in den USA und besonders in Texas ist eines meiner Lieblingsthemen, denn hier gibt es so viel zu erzählen. Die Unterschiede könnten nicht größer sein. Ob gut oder schlecht, das muss jeder für sich selbst beurteilen. Ich möchte hier nur zeigen, was ich hier gelernt und erfahren habe. Achtung, es könnte ein längerer Blogpost werden.
Die Basics
Da unsere Kinder schon das Highschool Alter hatten, kann ich hier nur kurze Infos geben, die ich mir selbst besorgt habe. Also die Grundschule heißt hier Elementary School und fängt mit dem Kindergarten an. Das ist so etwas wie eine Nullte Klasse in Deutschland. Dann bleiben die Kinder bis einschließlich 6. Schuljahr zusammen an der Schule. Was nicht bedeutet, dass sie immer im Klassenverband zusammenbleiben. Jedes Jahr wird neu gemischt. Hier in Austin gehen dann die Kinder in der 7. und 8. Klasse in die Middle School und lernen so langsam das Kurssystem. Ab der 9. Klasse geht es dann in die High School und ab hier kann ich mit eigens erlebtem Wissen glänzen.
Die Highschool
Unsere Highschool hat ca 2800 Schüler und besteht aus vier Jahrgangstufen. Es gibt die Freshmen (9. Klasse), die Sophomores (10.Klasse) die Juniors (11. Klasse) und die Seniors (12. Klasse).
Anders als in Deutschland gibt es keine Separierung der Kinder durch die verschiedenen Schulformen, sondern eher wie auf der Gesamtschule wird hier nach Leistung in den unterschiedlichen Fächern geteilt. Ziel ist es in diesen Jahren genügend Punkte (Credits) zu sammeln, um dann mit dem Highschool-Diplom zu graduieren.
Um zu Graduieren brauchen die Kids in Texas 26 Credits. diese sind wie folgt aufgeteilt:
4 Credits in Englisch
4 Credits in Mathe
4 Credits in Naturwissenschaften
3 Credits in Social Studies
2 Credits in Fremdsprachen
1 Credit in Sport
1 Credit in Kunst oder Musik
0.5 Credits in Health
0.5 Credits in Goverment
0.5 Credits Economics
5.5 Credits in Wahlfächern
neu ab nächstem Jahr 1 Credit in Personal Finance
Dazu müssen die Kids 5 End of Course Exams bestehen und zwar in English 1 (9.Klasse), Algebra 1 (9.Klasse), Biology (9. Klasse), Englisch 2 (10. Klasse) und US History (11. KLasse). Darüber hinaus müssen sie die staatlichen Test wie beispielsweise den STAAR test oder den TSI bestehen. Wichtig ist noch zu erwähnen, dass die Kids eine Anwesenheit von über 90% pro Kurs haben müssen, sonst gibt es keinen Credit.
Also die Anforderungen sind schon recht hoch und nicht so “singen und klatschen” wie man in Deutschland immer denkt.
Das Gute an den Wahlfächern ist, dass die Kids schon ihren Lebensweg vorbereiten können, wenn sie wollen. Ich meine damit, dass meine große Tochter beispielsweise sehr viele Kunst- und Designkurse genommen hat, da sie in diesem Bereich arbeiten möchte. Unsere jüngere Tochter hat Kurse gewählt, die schon in die Richtung “Ich werde Lehrerin” gehen. Die Kurse, die sie hatte, habe ich teilweise erst an der Uni nehmen können. Und das Beste: dieses Jahr hat sie einen Kurs, der bereits wie ein kleines Referendiat vor dem Studium ist.
Privatschule oder öffentliche Schule
Diese Frage stelle sich uns ehrlich gesagt nie, denn Texas ist für wirklich gute öffentliche Schulen bekannt. Wenn Ihr nach Texas auswandern möchtet, empfehle ich euch, erst die Schulen auf den bekannten Vergleichsportalen wie niche.com anzuschauen und erst dann ein Haus oder Apartment zum Wohnen zu suchen. Dankt mir später.
Die Privatschulen, die ich kenne, sind meistens christlicher Natur und sehr teuer. Eine alternative können sogenannte Charter Schools sein. Die sind ähnlich geführt wie Privatschulen (und ja, dort tragen die Kinder eine Uniform), kosten aber in der Regel nichts. Für mich ist ein großer Nachteil jedoch, dass an solchen Schulen nicht so ein umfangreiches Angebot gemacht wird, was Kurse angeht, oder Sport oder Theater.
Integration und Sprache
Ein wichtiger Punkt. Viele von Euch haben uns immer wieder gefragt, wie das mit der Sprache ist. Wie wird den Kindern geholfen? Also meine Töchter mussten am Anfang einen Sprachtest machen. Anhand des Ergebnisses wurde dann der Förderbedarf festgestellt und die Kinder haben Hilfe bekommen. Sei es, dass sie ihr Handy zum Übersetzen nehmen durften oder dass sie bei Test etwas mehr Zeit bekommen haben. ZUdem hatten sie auf freiwilliger Basis die Möglichkeit, in einer Gruppe dabei zu sein, wo alle Kinder Englisch als die zweite Sprache sprachen und sich austauschen konnten. Kleiner Tipp von mir: Meine jüngere Tochter war in den ersten zwei Jahren im Theater. Dort hat sie super schnell gelernt, sich gut auf Englisch auszudrücken.
